Projekt
Die Arbeit und Kultur Saarland gGmbH stellt am 8. Mai 2025 ein außergewöhnliches Kunst- und Erinnerungsprojekt vor: Die neue „Stolpersteine-Tour“ erweitert das Angebot zur Erinnerungskultur in Saarbrücken. Über die kostenfreie App „Orte der Erinnerung“ können Interessierte die Tour auf ihrem Smartphone abrufen und selbstständig begehen.
Im November 2024 initiierte die Arbeit und Kultur Saarland in Zusammenarbeit mit ihren Projektpartnern eine offene Ausschreibung. Aus über 40 Bewerbungen wurden zehn saarländische Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, die in den vergangenen Monaten digitale Kunstwerke zu Stolpersteinen in der Saarbrücker Innenstadt entwickelt haben.
Sobald sich Nutzer*innen einem Stolperstein nähern, erscheinen auf ihrem Smartphone künstlerische Beiträge, die eine emotionale und informative Auseinandersetzung mit den Lebensgeschichten der Opfer des Nationalsozialismus ermöglichen – direkt an den Orten, an denen diese Menschen zuletzt in Freiheit lebten.
Beteiligt sind die Künstler*innen:
Karin Eberhardt, Filipp Fasev, Monika Hau, Kathrin Lambert, Ralf Peter, Rona Rangsch, Kai Reppert, Hannah-Sofie Schäfer, Klaudia Stoll und Sarah Tschanun.
Die Auswahl erfolgte durch eine Jury mit Vertreter*innen der Landeszentrale für politische Bildung Saarland, des Stadtarchivs Saarbrücken, der Synagogengemeinde Saar sowie des Instituts für aktuelle Kunst im Saarland.
Gefördert wird die Stolpersteine-Tour durch das Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes, die Arbeitskammer des Saarlandes und Saar-Toto, sowie unterstützt durch die Sparkasse Saarbrücken.

Die Künstler*innen: (v.l.n.r.) Sarah Tschanun, Hannah-Sofie Schäfer, Kathrin Lambert, Kai Reppert, Karin Eberhardt, (Annika Pelzer - Arbeit und Kultur), Rona Rangsch, Monika Hau, Ralf Peter, Filipp Fasev. Im Bild fehlt: Klaudia Stoll. Foto: Zippo Zimmermann
Hintergründe
Seit 1992 verlegt der Künstler Gunter Demnig in Deutschland und Europa „Stolpersteine“ aus Messing als Gedenktafeln in Gehwegplatten vor den letzten Wohnorten von Opfern des Nationalsozialismus. In Saarbrücken wurden bislang (Stand Nov 2024) 69 Stolpersteine verlegt. Für die Stolpersteine-Tour wurden 10 Stationen mit insgesamt 19 Stolpersteinen in der Innenstadt ausgewählt, die auf einem 60-minütigen Spaziergang als Tour oder auch einzeln mit der App besucht werden können.
Die technische Umsetzung der Stolpersteine-Tour erfolgt über die App „Orte der Erinnerung“, die bereits mehrere digitale Rundgänge zur saarländischen Erinnerungskultur umfasst. Entwickelt wurde die App von der saarländischen IT-Firma EUROKEY Software GmbH, die auch die technische Betreuung übernimmt. Die App wurde in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland (LAG), der Landeszentrale für politische Bildung Saarland, dem Adolf-Bender-Zentrum und dem Saarländischen Museumsverband konzipiert.
Interaktive Karte
Die Stolpersteine
Für die „Stolpersteine-Tour“ wurden 10 Stationen in der Saarbrücker Innenstadt ausgewählt. Unmittelbar beieinanderliegende Steine werden in der App als eine Station zusammengefasst und gemeinsam mit einem Kunstwerk bedacht.

Johanna Kirchner - Bahnhofstr. 95
MehrJohanna Kirchner - Bahnhofstr. 95
Johanna Kirchner, geb. Stunz, 1889 in Frankfurt am Main, wurde 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Die Sozialdemokratin engagierte sich früh in der SPD, der AWO und in der Kinderfürsorge. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten floh sie 1933 nach Saarbrücken. Dort arbeitete sie in einer Fremdenpension in der Bahnhofstraße 80 (hier steht heute Bahnhofstraße 95), die von der ebenfalls emigrierten Marie Juchacz geführt wurde. Die Pension war ein wichtiger Treffpunkt für Emigrant*innen – ein Ort, an dem man günstig essen und Informationen austauschen konnte. Doch auch die Gestapo hatte das Saargebiet bereits im Blick und überwachte diese Kreise. Johanna Kirchner engagierte sich in Saarbrücken gemeinsam mit Max Braun gegen den drohenden Anschluss an Hitler-Deutschland. Ab 1935 war sie in Forbach in der Flüchtlingshilfe tätig. 1942 wurde sie in Frankreich verhaftet, an die Gestapo ausgeliefert und später vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.
Für „Lebenslinien – Johanna Kirchner“ hat die Künstlerin Monika Hau beim Hören der Lebensgeschichte von Johanna Kirchner darauf mit sichtbaren Bewegungsspuren reagiert.

Max Haymann - Karcherstr. 11
MehrMax Haymann - Karcherstr. 11
Dr. med. Max Haymann, *11.05.1896 in Saarburg, war Arzt und Geburtshelfer in Saarbrücken. Zunächst wohnte er in der Sulzbachstraße 18, später in der Karcherstraße 11, wo sich auch seine Praxis befand. Verheiratet war er mit Gertrud Haymann, geb. Kahn. Das Paar hatte zwei Kinder: Carla (*1930) und Hans (*1932), beide in Saarbrücken geboren.
Am 13. Januar 1935 emigrierte die Familie nach Neuf-Château in Frankreich. Dort wurde Max Haymann am 19. Juni 1941 von der Gestapo in Riberac (Dordogne) verhaftet und in das Pariser Gefängnis La Santé gebracht. 1942 erfolgte die Deportation nach Auschwitz, wo er am 13. April 1942 ermordet wurde.
Gertrud Haymann und die beiden Kinder überlebten den Holocaust. Sohn Hans lebt heute in Israel.
Der 15-jährige Filip Fasev illustrierte die Geschichte von Max Haymann durch Zeichnungen der wichtigen Szenen.

Ida Blum, Salomon Blum, Erna Peiser, Ernst Peiser - Ursulinenstr. 24
MehrIda Blum, Salomon Blum, Erna Peiser, Ernst Peiser - Ursulinenstr. 24
Ernst Peiser wurde am 16. Mai 1893 in Bunzlau/Schlesien geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Feldwebel, verlor dabei ein Auge und erhielt für seine Tapferkeit das Eiserne Kreuz. Nach dem Krieg arbeitete er im Geschäft seines Großvaters, ab 1934 war er Sekretär der jüdischen Gemeinde in Saarbrücken. Am 11. November 1938 wurde er im Zuge der Novemberpogrome nach Dachau verschleppt und blieb dort bis Anfang 1939. Im September desselben Jahres floh er nach Köln. Am 18. Juni 1943 wurde er nach Theresienstadt deportiert, am 28. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet.
Seit 1922 war er mit Erna Peiser, geb. Blum (geb. 16. Mai 1900 in Saarbrücken), verheiratet. Das Ehepaar lebte mit den Schwiegereltern Salomon und Ida Blum in der Königin-Luisen-Straße 24 (heute Ursulinenstraße) und hatte zwei Kinder. Auch Erna Peiser wurde am 28. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet. Ihre Eltern waren 1942 nach Theresienstadt deportiert worden. Ida starb dort am 5. Oktober 1942, Salomon am 2. Januar 1943.
In Theresienstadt entstand das Lied „Wanderer erwacht in der Herberge“ von Viktor Ullmann, der ebenfalls dort interniert war. Der Text lautet:
„Ich erwache leicht geblendet, ungewohnt eines fremden Lagers. Ist es Reif, der über Nacht den Boden weiß befiel? Ich schau in den Mond, neige das Haupt – denk an mein Wanderziel...“
Das Lied wird interpretiert von Ralf Peter (Tenor) und Thomas Layes (Klavier). Das Video zeigt Szenen aus dem NS-Propagandafilm „Theresienstadt“, gedreht unter Zwang von Kurt Gerron.

Herbert Fürst, Olga Fürst - Lortzingstr. 18
MehrHerbert Fürst, Olga Fürst - Lortzingstr. 18
Olga und Herbert Fürst lebten in Saarbrücken. Wie viele jüdische Bürger*innen flohen sie vor der Verfolgung ins Exil – in der Hoffnung, in Paris Sicherheit zu finden. Doch im Juni 1943 wurden sie dort verhaftet und in das Durchgangslager Drancy gebracht. Von hier aus wurden sie mit dem 55. Transport nach Auschwitz deportiert. Die Deportationslisten sind die letzten überlieferten Dokumente, in denen ihre Namen erscheinen. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
Auch Angehörige von Olga Fürst wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. In den Arolsen Archives finden sich Hinweise auf ihre Schwester Elsa Marx, die in Frankfurt lebte, sowie auf ihre Tante Flora Picard. Letztere wurde im August 1942 von der Gestapo verhaftet und deportiert. Ihr Bruder Max Haymann war ebenfalls betroffen – sein Stolperstein war bereits zu Beginn der Tour zu sehen.
Die Kurzdokumentation des Filmemachers Kai Reppert (Konzept und Regie) beleuchtet die historischen Hintergründe, die Bedeutung der erhaltenen Dokumente und die Arbeit der Arolsen Archives. Moderator Dennis Kundrus rekonstruiert gemeinsam mit Franziska Schubert von den Arolsen Archives die letzten bekannten Stationen im Leben von Herbert und Olga Fürst und zeigt, wie wichtig Erinnerungsarbeit ist. 3D-Animation: Vanessa Herbst, Musik: Nikita Kondrashev, Fotos und Dokumente: Arolsen Archives & Yad Vashem.

Sophronie Herz - Dudweiler Str. 26-30
MehrSophronie Herz - Dudweiler Str. 26-30
Sophronie Herz wurde am 19.6.1862 in Merzig als jüngstes von zehn Kindern geboren. Ab 1908 lebte sie mit zwei älteren Schwestern in Saarbrücken, zuletzt in der Dudweilerstraße 26. Sie war offenbar unverheiratet, auch wenn eine Quelle sie verwitwet nennt. 1897 reiste sie nach Basel und brachte dort am 25.11. ihren Sohn Erwin Ephraim Herz zur Welt. Bereits am nächsten Tag kehrte sie ohne ihn zurück. Erst elf Jahre später wurde Erwin offiziell bei ihr gemeldet. Bemerkenswert ist, dass er ihren Nachnamen trug – ungewöhnlich für die Zeit. Als Vater wird in seiner Meldekarte Heinrich Kahn genannt, auf der Geburtsurkunde steht „unbekannt“.
Erwin Herz heiratete 1922 Blanka Baer, das Paar bekam zwei Töchter. Die Familie lebte bei Sophronie Herz in Saarbrücken. Im Juni 1938 wurde Erwin verhaftet und wenige Tage später im KZ Buchenwald „auf der Flucht erschossen“. Blanka und die Töchter konnten in die USA fliehen.
Sophronie zog 1939 nach Berlin und wurde 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb sie am 29.01.1943 im Alter von 80 Jahren.
Die Journalistin und Kulturwissenschaftlerin Sarah Tschanun widmet sich in ihrem Audio-Piece „Kopf über Herz“ dem außergewöhnlichen Leben von Sophronie Herz. In einem fiktiven Brief von Sophronie Herz an ihren Sohn reflektiert sie gesellschaftliche Zwänge, die Rolle von Sprache und die Entmenschlichung durch scheinbare Rationalität im Nationalsozialismus.
Mit großem Dank an: Dr. Anna Kranz; Bundesarchiv (TON 4-236 Ausschnitt); Stadtarchiv Saarbrücken; Staatsarchiv Basel-Stadt und Basel-Landschaft.

Fritz Dobisch, Peter Roth, Wendel Schorr - Rathausplatz 1
MehrFritz Dobisch, Peter Roth, Wendel Schorr - Rathausplatz 1
Fritz Dobisch, geboren 1890 in Merzingen, war von 1919 bis 1935 ein führender Gewerkschafter und Politiker in Saarbrücken. Er war Mitbegründer des SPD-Ortsvereins in Bous und später Bezirksleiter des Verbandes der Fabrikarbeiter. Ab 1928 war er Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) Saar und von 1932 bis 1935 Stadtrat in Saarbrücken. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten versuchte Dobisch, den ADGB aus den politischen Konflikten mit der NSDAP herauszuhalten. Während der Saar-Abstimmung 1935 kämpfte er gegen die Rückgliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich, was ihn nach der Volksabstimmung zur Emigration nach Luxemburg zwang. 1940 wurde er von der Gestapo verhaftet und 1941 im KZ Buchenwald ermordet.
Peter Roth, geboren 1900 in Otzenhausen, trat 1930 der Kommunistischen Partei (KP) bei und wurde 1932 in den Stadtrat von Saarbrücken gewählt. Er kämpfte aktiv gegen den Anschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich und setzte seine antifaschistische Arbeit fort, auch nach der illegalen Zerschlagung der KP. 1936 wurde Roth verhaftet und ins KZ Lichtenburg gebracht, später in den Zuchthäusern von Saarbrücken und Siegburg inhaftiert. 1943 starb er unter ungeklärten Umständen im Zuchthaus Siegburg.
Wendel Schorr, geboren 1903 in Oberthal, war 1932 bis 1935 Mitglied des Saarbrücker Stadtrats und Vorsitzender der kommunistischen Betriebszelle bei der Saarbrücker Straßenbahn. Nach der Eingliederung des Saarlandes 1935 setzte er seine illegale Arbeit fort und organisierte kommunistische Straßenbahner. 1937 wurde er von der Gestapo verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. 1940 kam er ins KZ Dachau und später nach Ravensbrück, wo er 1944 unter ungeklärten Umständen starb.
Die Textilkünstlerin Karin Eberhardt symbolisiert in ihrem Video „Zum Gedenken an das Ehepaar Dobisch“ mit der Handarbeit einer Näherin den Lebenslauf von Fritz Dobisch. Dieser war mit einer Näherin verheiratet, die seinen tragischen Lebensweg begleitet hat.

Paula Loeb, Emilie Kaiser - Rathausplatz 7
MehrPaula Loeb, Emilie Kaiser - Rathausplatz 7
Paula Loeb wurde am 18. Mai 1888 in Meiningen geboren. Sie war geschieden und lebte gemeinsam mit ihrer Mutter Emilie Kaiser, geborene Guggenheimer (geb. am 6. März 1863 in Osterberg/Kreis Neu-Ulm), in Saarbrücken am Platz der deutschen Front 7 – dem heutigen Rathausplatz.
Am 8. September 1939 wurden Mutter und Tochter zwangsweise nach Halle umgesiedelt, wo sie bis 1942 lebten. Am 30. Mai 1942 erscheinen beide auf einer Transportliste für die Deportation „nach Osten“. Der Zug fuhr von Kassel über Halle nach Lublin und erreichte am 3. Juni 1942 das Vernichtungslager Sobibor. Paula Loeb und Emilie Kaiser wurden unmittelbar nach Ankunft selektiert und am selben Tag ermordet.
Die Künstlerin Klaudia Stoll hat zu ihrer Erinnerung ein Videopoem geschaffen – produziert mit dem Werkzeug Smartphone.

Hilde Itzkowitz, Sally Strauss - Großherzog-Friedrich-Str. 12
MehrHilde Itzkowitz, Sally Strauss - Großherzog-Friedrich-Str. 12
Hilde Itzkowitz, geborene Strauß, wurde am 26. Juli 1892 in Straßburg geboren und lebte in Saarbrücken, Großherzog-Friedrich-Straße 12. Am 1. Juni 1942 wurde sie von Halle aus mit einem Deportationszug ins Vernichtungslager Sobibor verschleppt. Nur zwei Tage später, am 3. Juni 1942, wurde sie dort ermordet.
Ihr Bruder Sally Strauß, geboren am 5. Dezember 1899 in Grumbach bei Heidelberg, lebte ebenfalls in der Großherzog-Friedrich-Straße 12. Er war ledig, seine Eltern hießen Jeanette und Simon Strauß. Ein Bruder, Gustav, konnte in die USA emigrieren. Sally wurde am 15. November 1938 im Zuge der Novemberpogrome verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Ein Jahr später wurde er als Zwangsarbeiter nach Halle überstellt, wo er bei der Humusdünger GmbH in Halle-Trotha arbeiten musste. Auch er wurde am 1. Juni 1942 mit vielen anderen ehemaligen Saarbrücker Jüdinnen und Juden nach Sobibor deportiert und am 3. Juni 1942 ermordet.
Die Künstlerin Rona Rangsch hat für diese Station das Hörgedicht "Ahnungslos No More" geschaffen.

Heinz Henry Bonem, Lotte Bonem - Nauwieserplatz 11/13
MehrHeinz Henry Bonem, Lotte Bonem - Nauwieserplatz 11/13
Heinz Henry Bonem wurde am 29. Januar 1921 in Saarbrücken geboren. Er war der Sohn von Simon und Alma Bonem und lebte mit seiner Familie am Nauwieserplatz 11/13. Auf der Flucht vor der nationalsozialistischen Verfolgung floh Heinz nach Frankreich, wurde dort jedoch verhaftet und ins Übergangslager Drancy bei Paris gebracht. Von dort aus wurde er am 4. März 1943 ins Konzentrationslager Majdanek deportiert und ermordet.
Seine jüngere Schwester Lotte Bonem, geboren am 31. Juli 1922 in Saarbrücken, wurde nur wenige Tage später, am 7. März 1943, ebenfalls nach Majdanek deportiert und dort umgebracht.
Im Mini-Hörspiel „Wandertag“ begleitet die Theaterpädagogin Hannah-Sofie Schäfer zwei Lehrer*innen bei der Vorbereitung eines Wandertags durch Saarbrücken. Als Autorin von Theaterstücken liegt ihr Schwerpunkt auf der kulturellen und ästhetischen Teilhabe von Kindern und Jugendlichen.

Wilhelm Diesel - Schlossstr. 8
MehrWilhelm Diesel - Schlossstr. 8
Wilhelm Diesel, geboren am 8. Dezember 1905 in Ottweiler, führte ein unstetes Leben, geprägt von häufigen Wohnortwechseln und gescheiterten Beziehungen. 1913 zog er mit seinen Eltern nach Saarbrücken und nahm später Wohnungen in Neunkirchen und Saarbrücken. Ab 1920 geriet er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt und wurde 1923 verurteilt, was zu einer Haftstrafe im Gefängnis Lerchesflur führte. 1924 unterbrach man den Strafvollzug und überführte ihn in eine Erziehungsanstalt. Nach einem Aufenthalt in einer Handwerker-Bildungsanstalt zog Diesel 1925 zurück zu seinen Eltern. 1926 heiratete er Maria Felzen, mit der er einen Sohn hatte. Doch sein Leben verlief weiterhin chaotisch, begleitet von mehrfachen Diebstählen und Wohnortwechseln, auch nach Paris und Forbach.
1940 wurde Diesel in Saarbrücken in Vorbeugehaft genommen und am 24. Dezember 1940 ins KZ Dachau transportiert. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 24703 und wurde als „Sicherungsverwahrter“ eingestuft. Im Januar 1941 wurde er ins KZ Neuengamme überführt und nach einer kurzen Rückkehr erneut ins Lager geschickt. Dort unterzog man ihn am 19. Juli 1941 einer Operation wegen einer Knieschleimbeutelentzündung. Am 16. Januar 1942 kam Diesel mit einem Invalidentransport in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim, wo er am 9. Februar 1942 an Herz- und Kreislaufschwäche in Verbindung mit einer Lungenentzündung starb
Das Hörstück über Wilhelm Diesel nähert sich seiner Lebensgeschichte auf poetische Weise. Kathrin Lambert verbindet dabei elektronische Musik, Field Recordings und Sprache zu einer vielschichtigen Klangwelt. So entsteht eine atmosphärische Komposition, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt.
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